
Côte des Légendes 17. - 21. Juni
Meneham 17. - 19. Juni
Unser Platz ist hinter der Düne direkt am Zöllnerweg. Nach dem Morgennebel wandern wir Richtung Brignogan Plage vorbei am berühmten Fotosujet Phare de Pontusval. Wir treffen zwei Luzerner, die uns von Obterre schwärmen. Etwas weiter mache ich einen flapsigen Spruch: «Keine Bank zum Sitzen» und prompt bleiben die Entgegenkommenden stehen und ein Österreicher erzählt eine Geschichte wie er in Brasilien auf einer Bank sass und sich zwischen seinen Beinen eine grasgrüne Schlange emporschlängelte. Er tötete sie und fand später heraus, dass sie harmlos war. Wir rätseln noch über die gesperrte Bank und gehen dann schmunzelnd weiter.
Den zweiten «Schifffahrts Tower» umrunden wir und etwas weiter essen wir unsere Brötchen. Dann gehen wir zurück, Hans auf dem Weg und ich im Sand und Kies des Meeres.
Später gehen wir nochmals in die Zöllnerstation, schauen uns die Ateliers an, lesen einiges über das Dorf Meneham und steigen dann zum Wachhaus hinauf. Die Menehamer waren Thema ganz vieler Vorurteile, zum Beispiel, sie seien so arm, dass sie Hunger hätten. Aber sie waren ja Bauern und hatten auch während des Kriegs genug zu essen; die Kinder hätten nicht genug, aber die konnten sich auf dem Schulweg vom Feld verpflegen.
Im Reiseführer stand, das Haus zwischen den Felsen sei eine Kapelle. Tatsächlich ist es das Wachhaus der Zöllner. Der Zöllnerweg wurde 1791 eingerichtet um Schmugglern und Wrak-Plünderern das Handwerk zu legen. Zuvor gehörte das Strandgut dem, der es fand. Es geisterten auch viele Geschichten von Plünderern, die Schiffe extra zum kentern brachten. Das sind aber nur Legenden. 1930 kenterte das letzte Schiff vor der Küste und darauf hatten auffallend viele Leute neue Velos. Der Zöllnerweg wurde dann von den Weitwanderern entdeckt und umrundet nun die ganze Halbinsel, 2000 km.
Nach dem Besuch treffen wir auf drei «Vögel», einen komischen, ein junger Mann in lila Trainer und schönen langen Haaren, einen bunten, papageiartigen und einen grauen im Rucksackkäfig. Den Bunten lässt er frei fliegen und ruft ihn dann zurück und schickt ihn Männern auf die Schulter. Er putzt Hans die Ohren es kitzelt stark. U515 – U518
Das Nachtessen können wir einmal vor dem Camper essen. Nachher gehen wir nochmals auf die Düne für den prachtvollen Sonnenuntergang. Was für ein strenger Tag.
Plougerneau 19. Juni
Diesen Ort fahren wir an wegen 2 Menhiren und einer wunderschönen Aussicht zum Leuchtturm auf der Île Vierge.
Portsall
In Portsall informieren wir uns über die Katastrophe der Amoco Cadiz und fotografieren den 20 Tonnen schweren Anker. Am 16. März 1978 Kollidierte der Öltanker im Sturm mit einem Felsen und brach auseinander. 220`000 t Rohöl lief aus und verwüstete die Küste und alle Tiere. Bretonen schätzen den weissen Strand, weil sie wissen, wie schwer er zu reinigen ist. Die Katastrophe hatte zur Folge, dass nun Schiffe mit gefährlicher Ladung viel weiter draussen fahren müssen.
Le Conquet 19. - 21. Juni
Wir haben schon von der Omegalage und grosser Hitze gelesen, trotzdem erwachen wir bei Nieselregen! Am Nachmittag spazieren wir nach Le Conquet, etwas durch den Ort, in die Kirche und dann den Ohren nach auf eine Wiese mit Musik und Volkstanz. Bei Flut wandern wir wieder zum Bänz.
Kulturtag 21. Juni
Zuerst fahren wir nach St. Matthieu am Atlantik. Das Meer ist hier eher grau blau. Im 12. Jh. bauten Benediktiner hier ein Kloster, das der französischen Revolution zum Opfer fiel. 1835 wurde hier der Leuchtturm errichtet mit Steinen vom Kloster. Später kam noch der Telegrafenturm dazu. Eine sehr interessante Kombination.
Daneben steht auch das Marinedenkmal für all die vielen Seeleute, die im Meer gestorben oder verschollen sind. In einem Gedenkraum hängen ganz viele Fotos von ihnen.
So, nun sind wir im äussersten Westen unserer Reise angelangt. Die Südküste der Bretagne erkunden wir nächstes Jahr. Adieu mer, à la prochaine.
Nächster Halt ist Landerneau. Hier wurde Edouard Leclerc 1926 geboren. Er hätte Priester werden sollen. Mit 23 Jahren aber eröffnete er um die Weihnachtszeit einen Laden mit Konfekt am Boden aufgestapelt, das er direkt ab Fabrik gekauft hatte und unterbot so den Preis um 30 %. Das Geschäft lief und läuft immer noch. Es ist eine der grossen Ladenketten in Frankreich. Mit seiner Frau setzte er sich sehr für Kunst ein und lancierte jährlich zwei grosse Ausstellungen.
Bekannt ist auch die bewohnte Brücke, Pont de Rohan, aus dem 16.Jh. Es ist gerade Mittagszeit und warm – also ab zum grossen Salatteller. Da hat dann auch noch ein Café Gourmand für zwei Platz.
Wir fahren weiter nach St. Thégonnec. Im 16 Jh. wurden Calvaires gebaut, die den Leuten die Leidensgeschichte erklärte. Dieser Calvaire ist berühmt, weil seine Figuren so expressionistisch dargestellt sind. Im Beinhaus kann man auch noch eine zu realistische Grablegung von 1701 ansehen.
Letzter Kulturpunkt dieses Tages: La Vallée des Saints . Ursprünglich war hier ein wichtiger keltischer Kultplatz. Ein Philosophieprofessor, Philippe Abjean hatte 1990 die Idee, den Platz wiederzubeleben. Remy Lorinquer (1957-2011) Landwirt und Bürgermeister von Carnoët kaufte das Land und stellte es Bildhauern zur Verfügung für Darstellungen der 1000 Heiligen der Bretagne. Etwa 190 sind fertiggestellt und es werden immer mehr, riesige Granitblöcke liegen bereit. Sie sind zwischen 2.5 m – 8 m hoch. Wir gehen also sozusagen im «Himmel» herum und grüssen, bestaunen, fotografieren.
So, das war eine Menge Kultur. Im Camper essen wir Melone und Rohschinken und fallen müde ins warme Bett.
Obterre Camping Le Cormier 22. - 27. Juni
Wir wollten ja langsam heimfahren. Die Omega-Hitzelage ändert unseren Plan deutlich. In Nantes wurden 42 Grad angesagt. Wie soll man da im Bänz überleben? Wir entscheiden uns direkt nach Obterre zu einem kleinen Campingplatz mit Schwimmbad zu fahren. SRF 1 begleitete Sibylle und Thomas bei ihrem Traum einen eigenen Campingplatz zu besitzen und zu führen. Also fräsen wir 454 km im klimatisierten Auto. Wir finden einen schattigen Platz und richten uns ein. Es ist schon sehr heiss auch alles, was wir anfassen. Zum Glück gibt es einen kleinen Pool, der auch 30 – 32 Grad warm ist, aber bei 40 Grad schon etwas kühler. Wir schlafen im Backofen, gestern um 23 Uhr war es noch 33 Grad. Ah und jetzt heimreisen ist auch keine Option: Vor unserem Haus ist das Albanifest. Am Dienstag sind wir wieder zu Hause. U559 – U566
Bis dann herzliche Grüsse und Danke fürs Mitreisen.


















































